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Himmlisches Malvergnügen
von Silvia Ahrens
(geschrieben nach Jürgen Jungs Acrylmalkurs 2010)
 


Welche Farbe tragen die Blätter an den Olivenbäumen? Wunderbar, Zeit und Muse zu finden über solch einfache Dinge zu grübeln. Und im toskanischen Il Pozzeto, einem Ort der Kraft und Ruhe, die Welt der Acrylfarben zu entdecken.

Silbergrün, grünviolett, lindgrün oder grau? Welche Farbe tragen die Blätter eines Olivenbaums?  Der Blickwinkel des Betrachters und die Tageszeit entscheiden über die Antwort. Von unserem Atelier aus dominiert das Silbrig-Grüne, die Morgensonne taucht die Bäume in zartes Lindgrün und gegen Abend mischt sich Violett ins Blattwerk.

Wie wunderbar, Zeit und Muse zu finden über solch einfache Dinge wie Farben zu diskutieren, wieder genau sehen zu lernen – Grün ist eben nicht gleich Grün - und auf die Stille zu achten. Hier oben auf der Kuppe eines steilen Hügels bestimmen nicht städtisches Lärmen und tosender Verkehr die tägliche Geräuschkulisse. Nur Kuckuck, Fasane und Grillen spielen morgens und abends als Big Band oder in kleinerer Orchesterbesetzung auf.

Beinahe wie im Himmel fühlen wir uns hier in Il Pozzeto, einem schmucken Landgut bei Anghiari im Oberen Tibertal. Wir, eine Gruppe aus vier „Freizeitkünstlern“ und drei Anfängern, begeben uns Anfang Juni sieben Tage lang auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Acrylmalerei und toskanischer Impressionen. Das Phänomen der Zeitlosigkeit und Entspannung stellt sich bald von selbst ein. Die einzigen Termine, die mehr oder weniger festgeschrieben sind: Ein ausgiebiges Frühstück mit ofenfrischen Cornetti, Prosciutto crudo, sizilianischen Tomaten, verschiedenen Käsesorten und Kuchen steht ab 9.00 Uhr bereit. Und so um 10.00 Uhr öffnet das Atelier seine Pforten.

Ankommen und neue Kraft schöpfen. Beim täglichen Spiel mit der Farbharmonie und Bildtiefe, beim Seele baumeln in den nach Rosen und Lavendel duftenden Terrassen-Gärten und in den Appartements, wo warme Erdtöne, Naturmaterialien und liebevoll zusammen getragene Möbelstücke die Szenerie beherrschen.

Hüter dieses Rückzugorts für Kreative und Ruhesuchende sind die engagierten Gastgeber Rita und Axel. Beide organisieren seit Jahren die Sommer-Akademie Toskana mit Kursen für Malerei, Yoga, Qi Gong, Schmuckdesign und Kochen.

Jürgen Jung, unser Kursleiter – besser beschrieben als Malcoach - drängt nicht zu Motiv oder Technik. Vor unserer Erkundungstour mit Pinsel, Staffelei und jeder Menge Farbtuben führt er mit jedem Teilnehmer ein ausführliches Gespräch. Nicht das bisher Geschehene zählt für ihn, sondern die Erwartungen, Wünsche und Ziele für die Woche, die vor uns liegt. Freude und Vergnügen mit inbegriffen.

Jürgen hat ein feines Gespür, wann Unterstützung gefragt ist. Etwa bei der Mischung einzelner Farbtöne, dem Bildaufbau oder der Darstellung von Licht und Schatten. Vier bis fünf Stünden täglich sind wir miteinander kreativ und doch jeder auf seine eigene Art. Wir können aus einer prallen Farbskala ringsum schöpfen – von Umbra bis Goldgelb von Siena bis Turmalingrün und Kaminrot. Die Motive drängen sich geradezu auf die Leinwand. Soll heute der üppig blühende Ginster gemalt werden, der in Il Pozzeto seinen großen Auftritt hat, oder die Zypressen, die wie mächtige Lanzen am Eingang des historischen Landhauses in den frechblauen Himmel ragen? Motiviert der Spalier mit den Wildrosen an der grob verputzten Steinmauer zu einem Bild? Fordern die umliegenden Hügel, die sich je nach Sonnenstand in unterschiedlichsten grün-braun-gelb-ocker Schattierungen präsentieren, unser Können heraus? Oder steht der Sinn nach Abstraktem? Die Entscheidung fällt nicht leicht, jeder malt, woran er gerade Freude findet. Wir arbeiten auf Leinwand und Papier, mit Pinsel, Spachtel und Schwämmen. Stehen oder Sitzen im Atelier oder suchen mit der Staffelei unterm Arm ein Motiv in der Umgebung des Hauses. Wer nichts Passendes findet, macht nachmittags einen Abstecher nach Anghiari, wo die schmalen Gassen und die blumen- oder weinumrankten Steinhäuser weitere Motive anbieten. Und lässt sich von Marcello bei einer Olivenölverkostung samt reichlich ausgeschenktem Vino bianco zum Kauf etlicher Liter Olio verführen.

Die tägliche Mal-Zeit bestimmen wir im Team, auch die Länge der Pausen, in denen wir Cappuccino schlürfen, den beiden Haushunden Tigger und Sirio die kuschelweichen Ohren kraulen und über Farbtöne wie jene der Olivenbäume grübeln. Oder einfach nur Träumen am und im türkisblauen Swimmingpool mit atemberaubender Aussicht ins Tal hinunter. Die Abende klingen bei Prosecco und Grappa, einer reich belegten Pizza im nahen Citerna oder aus dem hauseigenen Steinofen oder einem mehrgängigen Menü in einer der urigen Trattorien der Umgebung aus. Satt und rumdum zufrieden lauschen wir Ramazzotti, Nek, Celentano und Zucchero, die den Grillen mächtig Konkurrenz machen .

Die Tage in der Toskana sind nun längst Vergangenheit, geblieben sind Bilder, Eindrücke und Stimmungen, die die Seele berührten….

 

 


 

  

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